Rund um die Welpenimpfung kursieren viele Missverständnisse, und das häufigste betrifft die Frage, was tatsächlich Pflicht ist und was lediglich empfohlen wird. In Deutschland schreibt der Gesetzgeber nur eine einzige Impfung für Hunde verbindlich vor. Alles andere sind medizinische Entscheidungen, die Sie gemeinsam mit Ihrer Tierärztin oder Ihrem Tierarzt treffen und die vom jeweiligen Hund abhängen. Dieser Text trennt beide Ebenen klar voneinander, denn wer sie vermischt, empfindet entweder unnötige Schuldgefühle oder übersieht eine tatsächliche Pflicht.
Was in Deutschland verpflichtend ist
Verpflichtend ist ausschließlich die Schutzimpfung des Hundes gegen Tollwut. Dies ergibt sich aus dem Tiergesundheitsgesetz vom 21. November 2025, das am 18. März 2026 in Kraft trat und die bisherigen Vorschriften in diesem Bereich ersetzt hat.
Zwei Punkte sollten Sie sich merken. Erstens: Die Frist beginnt mit dem Ende des dritten Lebensmonats des Hundes, nicht mit dem Tag, an dem Sie den Welpen abholen. Zweitens: Mit der ersten Impfung ist die Pflicht nicht erledigt – sie wiederholt sich mindestens einmal jährlich, ein Hundeleben lang. Den Termin der nächsten Impfung trägt der Tierarzt in den Impfpass ein, und genau dieses Dokument wird in der Tierpension oder bei einer Reise ins Ausland verlangt.
Keine weitere Hundeimpfung ist in Polen gesetzlich vorgeschrieben. Wenn Sie auf eine Liste „pflichtmäßiger Impfungen“ stoßen, auf der neben der Tollwut auch Staupe oder Leptospirose stehen, handelt es sich um eine ungenaue Verkürzung – diese Impfungen werden zwar häufig empfohlen, sind aber gesetzlich nicht vorgeschrieben.
Grundimmunisierung: Was „Core“ bedeutet
In der Tiermedizin spricht man von sogenannten Core-Impfungen, also der Grundimmunisierung. Darunter versteht man jene Impfungen, die nach internationalen Leitlinien jeder Hund erhalten sollte, unabhängig vom Land oder von der Lebensweise. Die Expertengruppe der WSAVA, die 2024 die Impfleitlinien für Hunde und Katzen verfasst hat, zählt dazu den Schutz vor Staupe (CDV), caninem Adenovirus sowie Parvovirose (CPV).
Die WSAVA vertritt dabei eine grundsätzliche Position: Sie empfiehlt, dass alle Hunde und Katzen von diesem Impfschutz profitieren. Das ist eine fachliche Empfehlung der Tiermedizin und keine gesetzliche Vorschrift – genau deshalb lohnt es sich, beide Begriffe klar zu trennen. Die Grundimmunisierung ist rechtlich nicht vorgeschrieben, aber sie ist das, was Ihnen Ihr Tierarzt oder Ihre Tierärztin in der Regel als Erstes vorschlagen wird.
Neben den Grundimpfungen gibt es risikoabhängige Impfungen: Sie werden nur dann verabreicht, wenn die Lebensumstände des Hundes dies tatsächlich rechtfertigen. Ob Ihr Welpe sie benötigt, hängt von der Region, dem Kontakt zu anderen Hunden, geplanten Reisen und der jeweiligen Seuchenlage ab. Diese Frage gehört in die Hände Ihres Tierarztes oder Ihrer Tierärztin – nicht in einen Artikel im Internet. Eine allgemeingültige Antwort wäre hier schlicht unseriös.
Den Impfplan legt der Tierarzt fest
Einen einzigen Impfkalender, der auf jeden Welpen gleich gut passt, gibt es nicht. In den ersten Lebensmonaten erhält der Welpe eine Reihe von Impfdosen, wobei die Abstände und der Abschluss der Serie individuell vom Tierarzt festgelegt werden. Ausschlaggebend ist unter anderem der Spiegel der mütterlichen Antikörper, der bei jedem Wurf unterschiedlich schnell abnimmt, ebenso wie der Gesundheitszustand des Welpen und die Lage in der jeweiligen Region. Notieren Sie sich bei der Planung der Tierarztbesuche auch Fragen zum Entwurmen des Welpen, damit beide Themen bei der Konsultation besprochen werden können.
Verlassen Sie sich deshalb nicht auf Termine aus dem Internet, sondern lassen Sie sich beim ersten Besuch von Ihrer Tierärztin oder Ihrem Tierarzt einen individuellen Plan für Ihren Hund erstellen und tragen Sie ihn in den Impfpass ein. Ist Ihr Welpe bereits mit einer begonnenen Impfserie zu Ihnen gekommen, bringen Sie die Unterlagen mit — wie es weitergeht, hängt davon ab, was bereits verabreicht wurde und wann.
Spaziergänge und Kontakt zu anderen Hunden während der Impfserie
Diese Frage taucht in jedem Gespräch mit neuen Halterinnen und Haltern auf, und eine einfache Antwort gibt es darauf nicht. Einerseits ist ein Welpe vor Abschluss der Grundimmunisierung anfälliger für Infektionen. Andererseits sind die ersten Wochen im neuen Zuhause eine Zeit, in der der Hund die Welt kennenlernt – und vollständige Isolation hat ihren Preis in Form späterer Ängstlichkeit. Wenn Begegnungen mit Menschen oder anderen Hunden Unruhe auslösen, trennen Sie die gesundheitlichen Fragen von der Frage, wie Sie auf Angst beim Welpen reagieren können.
Das richtige Gleichgewicht zwischen diesen beiden Risiken bestimmen Sie gemeinsam mit Ihrem Tierarzt oder Ihrer Tierärztin, der oder die die epizootische Lage in Ihrer Region und den Zustand Ihres Welpen kennt. Die pauschale Empfehlung „bis zum Abschluss der Impfungen nicht nach draußen“, die in vielen Ratgebern zu finden ist, lässt die andere Seite dieser Abwägung außer Acht.
Vor dem Termin und nach der Impfung
Die Vorbereitung ist unkompliziert. Bringen Sie das Gesundheitsheft mit der bisherigen Impf- und Entwurmungshistorie mit sowie Notizen zu allem, was Ihnen im Verhalten oder in der Verfassung des Welpen aufgefallen ist. Ein kurzer Spaziergang vor dem Termin und eine vertraute Decke in der Transportbox helfen dem Hund, die Untersuchung gelassener zu erleben.
Geben Sie dem Welpen nach der Impfung einen ruhigen Rückzugsort, Zugang zu frischem Wasser und verzichten Sie in den nächsten Tagen auf intensives Spielen. Eine leichte Müdigkeit, Schläfrigkeit oder Empfindlichkeit an der Einstichstelle klingt in der Regel innerhalb der ersten ein bis zwei Tage von selbst wieder ab.
- Nehmen Sie das Impfheft und Ihre Notizen zum Zustand des Welpen mit.
- Tragen Sie den Termin der nächsten Impfdosis sowie das Datum der jährlichen Tollwutimpfung im Impfheft ein.
- Sorgen Sie nach dem Termin für Ruhe und vermeiden Sie anstrengende Aktivitäten.
- Wenden Sie sich bei besorgniserregenden Symptomen ohne Zeitverzug an Ihren Tierarzt.



